WM-Bestechnungs-Skandal: unschuldiger Franz, skrupellose Bundesregierung und der FC Bayern als Payback-Prämie


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Foto: Pingu-Mania

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Unser Thema der Woche: Das Sommermärchen 2006 – damals war „Die Welt zu Gast bei Freunden“ noch kein Motto für eine außer Kontrolle geratene Flüchtlingskrise. Bei der Aufklärung der Bestechungsvorwürfe hängt jetzt alles an einer Person: Franz Beckenbauer – der Mann, der sich in einem Satz so oft selbst widersprechen kann, wie sonst nur Worte und Taten bei katholischen Priestern.

Nach unermüdlichem Graben ist es der boulevardesken Bluthundmeute und einigen Übergangsfunktionären nun endlich gelungen, belastende Unterlagen gegen unseren Fußballkaiser aufzutreiben. Nach allem, was wir bis jetzt wissen, hat er im Vorfeld der WM-Vergabe einen Vertrag mit Jack Warner aufgesetzt. Das ist ein Fußballfunktionär, der nachweislich so korrupt ist, dass ihn mittlerweile sogar die FIFA gesperrt hat. Wahrscheinlich wegen Erfolgsneid. Diesem Jack Warner werden im Vertrag mit Beckenbauer TV-Rechte und Eintritts-Karten versprochen, die dieser vermutlich zum eigenen Wohle weiterverkaufen wollte. Auch Freundschaftsspiele des FC Bayern stehen in diesem Zusammenhang unter Verdacht.

Wer glaubt, seltsame Freundschaftsspiele der Bayern seien ein Relikt der Beckenbauer-Vergangenheit, der sei an Folgendes erinnert: der FC Bayern war im Januar diesen Jahres zum Freundschaftskick in Saudi Arabien. Bezahlt hat den Trip, Sie werden es nicht glauben: der Volkswagen-Konzern – und die mögen es ja bekanntlich sauber. Vielleicht wurde ja dabei keine WM-Vergabe beschlossen, sondern ein neuer Groß-Auto-Deal. Der FC Bayern wäre dann sowas, wie ein Bonusprogramm für alle, die moralische Werte verscherbeln. Kurz: Der FC Bayern ist die Payback-Prämie für Mega-Arschlöcher.

Doch zurück zu Kaiser Franz: Alle wollten diese WM – und Beckenbauer hat sie geholt. Vielleicht für ein paar Millionen und ein paar Freikarten. Wenn Sie aber glauben, das wäre Bestechung, dann haben Sie noch nicht in den Abschlussbericht der Bundesregierung zur WM 2006 geschaut – da entdecken Sie die wirklich lustigen Sachen:

Bereits im Vorwort bedankt sich das WM-Organisationskomitee bei der Bundesregierung für „Regierungsgarantien in Steuerangelegenheiten gegenüber der FIFA“ (sinngemäß zusammengefasst). Das sollten Sie sich nur merken, falls Politiker mal wieder über Steuerflüchtlinge meckern. In Zahlen bedeutet das Folgendes: Die FIFA hat, laut eigenem Finanzbericht, mit der WM 2006 in Deutschland insgesamt 1,97 Milliarden Schweizer Franken Gewinn gemacht. Und davon, dank der oben erwähnten Regierungsgarantie, keinen Cent Steuern bezahlt. Die WM 2006 war also ein riesiges Steuerbetrugsmodell – und wissen Sie, was Sepp Blatter, der Chef dieses asozialen FIFA-Haufens dafür von Angela Merkel bekommen hat? Richtig, das Bundesverdienstkreuz. Steht auch im Abschlussbericht der Regierung zur WM 2006 (Seite 18).

Der Deutsche Staat und seine Politiker haben der FIFA also hunderte Millionen Steuerersparnis und unseren höchsten Landesorden geschenkt – und da regen sich alle über Franz Beckenbauer und ein paar Freikarten auf. <>

 
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