Nach Sexismus-Erfolg: FDP stößt neue Gesellschaftsdebatte an

Urheber Ausgangs-Foto: E-W / WikipediaLizenz: CC by-sa 3.0

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Es ist nicht mehr genau zu ergründen, von wem der wunderbare Satz stammt, die Steigerungsformen von „Feind“ wären „Feind, Erzfeind und Parteifreund“. Dafür wird diese anschauliche Verdichtung der politischen Kultur für das interessierte Publikum immer wieder neu mit Leben erfüllt. Eben erinnerten wir uns noch mit Freude daran, wie CDU-Kassengestell Ronald Pofalla seinen aufrechten Kollegen Bosbach dafür anschrie, dass dieser seiner Arbeit nachging, da gibt es bereits neues aus dem politischen Piranhabecken: Jörg-Uwe-Hahn, FDP-Provinzfürst und Vizeministerpräsident von Hessen macht sich in einem Zeitungsinterview Gedanken, ob denn Deutschlands Bevölkerung einen „asiatisch aussehenden Vizekanzler“ verkraften könne. Dass dieser Asiat sein eigener Parteichef Philipp Rösler ist, scheint Hahn erst im Nachhinhein wieder eingefallen zu sein.

Doch Vorsicht: Wer hier parteiinterne Ränkespiele oder gar offenen Rassismus entdecken will, hat die neue Strategie der FDP noch nicht verstanden: Themen setzen durch Provokation. Nachdem Bundestagsfraktionsweinkönig Rainer Brüderle mit einem beherzten Flirt bereits mustergültig eine Debatte über Alltags-Sexismus anstieß, möchte Jörg-Uwe Hahn nun nach eigener Aussage auf „einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus“ hinweisen und dieses Problem so „bekämpfen“.

Die FDP ist keineswegs eine kleine, zänkische Ansammlung, fehlgeleiteter Geisterfahr-Rhetoriker, wie man bei einem flüchtigen Blick vermuten könnte. Sie sind Pioniere einer Politik 3.0, die politischen Veränderungswillen mit Event-Kommunikation verbindet. Wir erleben somit eine völlig neue Form des politischen Agenda-Settings: die Entlarvung gesellschaftlicher Probleme und ihre Überführung in die Öffentlichkeit durch gezielten Tabubruch. Und deshalb ist Rainer Brüderle auch kein sexistisches Politfossil, sondern der größte und modernste Frauenrechtler Deutschlands. Ein Himmelreich für mehr von solchen Visionären.

Wie Pingu-Mania aus vertraulichen Kreisen erfuhr, plant die FDP bereits weitere Debattenanstöße mittels rhetorischer Abrissbirne. So will Außenminister Guido Westerwelle demnächst die Bombardierung Israels fordern, um auf den unterschwelligen Antisemitismus in unserer Gesellschaft hinzuweisen. Wolfgang Kubicki möchte im Suff seine Frau verprügeln, um den zu laxen Umgang mit Suchtmitteln zu problematisieren. Und Dirk Niebel wird einfach ganz normal weiterarbeiten wie bisher – um sich damit selbst unmöglich zu machen.

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