Wichsverbot im Hexenhaus

Ausgangsmaterial Fotos:Wikipedia/kungfuman; Bundesarchiv, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA

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Endlich kümmert sich mal wieder jemand um etwas Wichtiges: Laut übereinstimmenden Medienberichten wird der Kinderbuch-Klassiker „Die kleine Hexe“ politisch-korrekt und sittlich-moralisch überarbeitet. Die Begriffe „wichsen“ und „durchwichsen“ sollen dabei ebenso durch kinderfreundliche Begriffe ersetzt werden, wie „Negerlein“, „Türken“ und „Chinesinnen“. Dass der Begriff „Türke“ einen ähnlichen Ruf wie „Neger“ genießt, war uns nicht bekannt, wir danken daher dem Verlag für die Aufklärung. Da die zu entschärfende Textpassage auf einem Kostümball für Kinder spielt, rechnen wir übrigens mit folgender Formulierung: „Die Kinder trugen Kostüme mit Migrationshintergrund“.

Bei einer anderen irren Rassistin haben die literarischen Tugendwächter schon vor einiger Zeit durchgegriffen. Die notorische Anarchistin Pippi Langstrumpf wurde per einstweiliger Druckmaschinenverfügung dazu gezwungen, ihren Vater nicht mehr „Negerkönig“, sondern „Südseekönig“ zu nennen.

Im Original der Hetzschrift „Pippi geht an Bord“ heißt es übrigens: „Es lag ja nahe zu glauben, dass er [ihr Vater, d. Red.] auf einer Insel an Land gespült worden und Negerkönig über eine Menge Neger geworden war.“ Der aktuelle Vorschlag für die Passage lautet nach Abstimmung mit Vertretern aller gesellschaftlichen Interessengruppen und Gleichstellungsbeauftragten: „Es lag ja nahe zu glauben, dass ihr Vater auf einer Insel an Land gespült worden und Mitglied eines schwul-lesbischen Vereins für Umweltschutz und Frauenquote geworden war.“

Wir begrüßen all diese Maßnahmen, denn wo kämen wir hin, wenn Kinder in Büchern mit irritierenden Dingen aus dem wahren Leben konfrontiert würden? Die neue Gesamtausgabe von „Grimms Märchen“ soll nach Abzug von Gewalt, Gier, Kindesmissbrauch, Mord und Sodomie übrigens demnächst als handliches Reclam-Heftchen erhältlich sein.

Was wir uns aber wünschen, ist Konsequenz. Warum nicht auch andere Klassiker der Literaturgeschichte kindgerecht aufbereiten? Warum nicht „Moby Dick“ mit lustigem Clownsfisch? Warum nicht „1984“ als Facebook-Fotoroman? Wieso nicht Hitlers „Mein Kampf“ als aufklappbares Bilderbuch zum Thema Integration. Denn eins kann man von Kindern prima lernen: Wenn man vor etwas Doofem die Augen verschließt, dann ist es einfach weg.

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4 Antworten zu Wichsverbot im Hexenhaus

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  4. Ständige Vertretung Nordsüdpolar schreibt:

    das wird Euch bestimmt auch interressieren: das Wahlkampfprogramm Niedersachsens wurde auf seine bürgernahe Verständlichkeit untersucht….Vergleiche mit Doktorarbeiten kommen der Sache wohl am nähesten..lest selbst die Untersuchung:

    http://www.absatzwirtschaft.de/content/communication/news/niedersachsen-der-unverstaendlichste-landtagswahlkampf-den-wir-je-untersucht-haben;78948

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