Hundekacke auf der Pinnwand

Mögen Sie Hunde? Ich liebe Hunde. Natürlich nicht süß-sauer, aber sonst eigentlich immer. Und wenn ich Hunde mal nicht mag, dann sind meistens Menschen daran schuld. Menschen, die Hunde waffenscheinfähig machen oder sie den Fußweg vollkacken lassen. Oder wie es der gesellschaftskritische Liedermacher Peter Fox ausdrückte: „Überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben.“

Wer nun aber meint, letzteres sei ein Problem, dem man leicht aus dem Weg gehen kann, der hat unsere webbasierte Gesellschaft nicht verstanden – alles wird digital, auch Hundekacke. Schuld daran sind, wie so oft, wohlmeinende und engagierte Menschen, die soziale Netzwerke zunehmend zu einer Kombination aus Helfersyndrom-Therapiezentrum und Tierheim-Casting-Show machen. So kommt es, dass meine Facebook-Startseite voll mit Fotos von streunenden Tölen ist, die aus Spanien, Testlaboren oder einfach nur zu engen Käfigen befreit werden müssen.

Nun kann man einwenden, es gäbe Wichtigeres, über das man sich aufregen sollte, als über Hunderetter 2.0. Mag sein, aber es kann ja nicht nur EURO, NSU und Bettina Wulff geben. Man kann auch sagen, es wäre geradezu eine Frechheit, sich darüber aufzuregen, schließlich wird doch hier Gutes getan. Da allerdings liegt ein Missverständnis vor. Das digitale Gutmenschen-Gassigehen krankt genau am gleichen Grundproblem, wie andere Internet-Protestformen, deren wichtigstes Schlachtfeld die gemütliche heimische Couch ist. Nicht mehr das Ändern der Verhältnisse sorgt für Zufriedenheit, sondern schon das aufwandsarme Teilnehmen an der Entrüstung. Das Teilen von Bildern und Leidensgeschichten kommt da gerade recht – doch es ist nichts anderes als Tierschutzplacebo im Doggy Style.

Natürlich, für diese Aktivisten gilt, was man auch politisch engagierten Nackttänzern, Mandala-Malern und Nasepoplern zugute halten muss: Solange sie das machen, machen sie nichts Schlimmeres. Aber inwiefern das Ganze einem Hund am anderen Ende der Welt helfen soll, bleibt offen. Er steckt zwar immer noch in seinem Todeskäfig, dafür hat er aber über 10.000 „Likes“.

Es mag paradox klingen, aber beim Thema digitales Dog-Sharing beißt sich die Katze in den Schwanz: Der Nutzen liegt nicht beim Hilfsbedürftigen, sondern beim Helfenden, gutes Gefühl und Karma-Upgrade inklusive. Deshalb sind diese Postings genau wie Hundescheiße – sie dienen nur der eigenen Erleichterung.

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3 Antworten zu Hundekacke auf der Pinnwand

  1. Pingback: Der gute Zweck im Eimer: #IceBucketChallenge außer Kontrolle | Pingu-Mania

  2. kiezneurotiker schreibt:

    Schön auf den Punkt gebracht. Moderner Ablass. Ich zeichne eine Online-Petition, like irgendeinen beliebigen Protest auf Facebook (Myanmar, Homo-Ehe, Hundewelpen) oder schicke irgendeine Powerpoint-Präsentation an alle meine Kontakte rund (für die älteren Digital Natives) und mein Gewissen ist plötzlich wieder ganz rein. Muss man gar nicht auf die Straße gehen für.

    Und morgen gibt es einen neuen Shitstorm, den ich retweeten kann, und der außer Rauschen wieder nichts bewirken wird.

  3. Baby Lon schreibt:

    herrlich!

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