Politisch korrekter Konsum ­– ein charismatischer Einkaufsführer

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisiert den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Israel. Der Erfolg zeuge von einem mangelnden Geschichtsbewusstsein, die deutsche (Ball)eroberungssucht sei in diesem Kontext geradezu geschmacklos. Ach nein, Verzeihung, verlesen! Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte die lange Zeit zögerliche Haltung des DFB, mit der deutschen Nationalmannschaft das Konzentrationslager Auschwitz zu besuchen. Dies ist nun geschehen (auch wenn z.B. Henryk M. Broder dazu eine wie gewohnt pointiert vorgetragene Gegenmeinung vertreten hat). Damit ist der Weg frei für eine mental entspannte Eroberung des Fußballkontinents.

Doch auch Pingu-Mania zweifelte vor kurzem höchstselbst an der Verfassungstreue unseres Nationalteams. Grund war die überraschende Streichung des Stürmers Cacau aus dem erweiterten EM-Kader. Leistungsgründe konnten es nicht gewesen sein, Cacau spielte seit Jahren unterdurchschnittlich und hatte dennoch stets seinen Platz im DFB-Team. Wir beschlossen also vom Schlimmsten auszugehen und wollten mit folgender Geschichte aufmachen:

[Foto (nur Ausgangsmaterial): MarkGGN; Wikipedia]

Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen hatten und zudem mit Holger Badstuber (CSU) einen echten Quoten-Schwarzen im Kader entdeckt hatten, beschlossen wir, die Sache doch nicht so eng zu sehen und die Geschichte zu stoppen.

Dennoch hatte sich durch die Recherchen und Diskussion in der gesamten Pingu-Mania Redaktion etwas verändert. Immer nur zynisch-distanziert die Welt betrachten, das war für viele nicht mehr tragbar. Auch als Magazin, dem sonst nichts heilig ist, sollte man jeden Tag etwas dafür tun, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Doch wie?

Wir erinnerten uns an einen eigenen Bericht über weitgehend engagementloses Engagement zu weltbewegenden Themen und beschlossen, dieses Konzept weiterzuentwickeln. Das Ergebnis: Global Social Ethical Shopping. Die Idee dahinter geht weit über das von Grünkernkonsumenten hochgeschätzte Fair Trade hinaus. Wem ist schließlich wirklich geholfen, wenn irgendein kolumbianischer Kaffeebauer dank fairer Preise plötzlich Kohle für Koks im Eigenbedarf hat? Deshalb setzt Global Social Ethical Shopping höher an: durch Erwerb bestimmter Waren werden in globalen Krisenlagen oder Konflikten konkrete Unterstützungsimpulse gesetzt. Nicht’s verstanden? Dann hier mal eine kleine Auswahl unseres bisherigen redaktionellen Wochenend-Shoppings:

Frische, knackige Möhren aus Israel, geeignet für Salate, Aufläufe und vegane Penetration. Gesünder kann man sich für das Existenzrechts Israels und eine friedliche Zweistaatenlösung nicht stark machen:

Spitzenpaprika aus Griechenland, ideal als frutarischer Snack zwischendurch. Nebenbei lässt man dem gebeutelten europäischen Nachbarn eine Kapitalspritze zukommen und baut das in der Schuldenkrise so fatale Außenhandelsdefizit des Landes ab:

Norweger Gurkensalat, die perfekte Abrundung von Hotdogs und Burgern und gleichzeitig klare Botschaft an das norwegische Volk, sich von Attentätern wie A. Breivik nicht ihre offene Gesellschaft mit allen Burgerrechten kaputt machen zu lassen:

Apple-Computer für die gesamte Belegschaft. Dabei macht man sich zwar bedingungslos abhängig von einem monopolistischen Moloch, doch dafür haben die Rechner alle einen Migrations-Assistenten und gehen somit beim Thema Integration voran:

Ein derart erfolgreiches und politisch korrektes Wochenende haben wir dann in der Redaktion gestern Abend erstmal gefeiert. Mit ordentlich Havana Club, womit wir ein fideles Zeichen gegen die Allmacht des Turbokapitalismus setzten. Prost!

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