Rommel, der Papst und ich – von Wüstlingen und Gott als Gläubiger

Familie Rommel ist sauer. Die Nachfahren des Wüstenfuchs-Kommandeurs ereifern sich derzeit über das Drehbuch eines SWR-Films, welches nach ihrer Ansicht das Lebenswerk des WK2-Schlachtenlenkers nicht im richtigen Licht darstellt. Dabei gibt es derzeit eine viel absurdere Feldherrenposse am Schauplatz Nordafrika. In den Hauptrollen: James Cameron und Nicholas Sarkozy.

Die beiden an der Heimatfront höchst erfolglosen Regierungsführer feiern sich derzeit in Libyen für den, wir erinnern uns, höchst effektiven Schutz der Zivilbevölkerung, bei dem ganz nebenbei ein Regime und jede Menge Infrastruktur zerbombt wurde. Nun winken die Wüstenfüchschen Sarkozy und Cameron feierlich dem anderen Teil der Zivilbevölkerung zu, britischen und französischen Unternehmen winkt der Auftrag, gegen libysches Geld und Öl den ganzen Kram wieder aufzubauen, angefangen vermutlich mit einem hohen Grenzzaun Richtung Mittelmeer. Nebenbei rühren beide Feldherren Staatsmänner kräftig die Werbe-Rommel, Verzeihung, -Trommel für sich selbst.

Vor dem Hintergrund der medial überzelebrierten Bilder aus Libyen ist klar, warum viele in Deutschland so traurig sind, dass uns Guido Westerwelle nicht ebenfalls in dieses Wüstenscharmützel geführt hat. Die aktuellen Erfolgsmeldungen brächten etwas casablanceske Abwechslung in die europäische Schuldentristesse: die EU ist verloren, aber uns bleibt immer noch Tripolis. Außerdem wird es manchem Liberalen derzeit ohnehin angenehmer erscheinen im Häuserkampf mit Gaddafi zu stecken als im Wahlkampf mit der FPD.

Doch während Gaddafi auf der Flucht ist, kommt ein anderer undemokratischer Regimeführer zum Staatsbesuch nach Deutschland: der Papst. Im letzten Jahr hatte dieser noch mit libidinöser Liberalisierung für Aufsehen gesorgt, jetzt werden mit Spannung sein „Wort zum Sonntag“ und andere Klerikal-Keynotes auf deutschem Boden erwartet. Pingu-Mania geht davon aus, dass Benedikt XVI sich diesmal weniger als Hirte denn als Währungshüter inszenieren wird. Schließlich kommt er mit dem Selbstbewusstsein des einzigen europäischen Staatschefs ohne Schuldenprobleme.

Aus Insiderkreisen erfuhren wir, dass der Pontifex vor Europäischer Zentralbank, Bundesbank und einigen Finanzexperten sein Programm „Schuld statt Schulden“ zur Lösung der EU-Kreditkrise vorstellen wird. Kernpunkt ist die Umstellung der Länderfinanzierung von Staatsanleihen („Junk Bonds“) auf Ablassbriefe („Jesus Bonds“). Banken wären damit ihrer erpresserischen Macht beraubt, das Finanzsystem läge in Gottes Hand. Von Letzterem ist zumindest bekannt, dass er gegenüber Gläubigen ein angenehmer Gläubiger ist, der unendlich Kredit gewährt. Und auch das letzte große Problem der aktuellen Misere ist mit Benedikts Plan gelöst: Statt vieler Rating-Agenturen gibt es nur noch eine Ratzing-Agentur. Diese vergibt für Länder und Personen eine moralische Bonität, welche die Kosten fürs Seelefreikaufen bestimmt. Das Top-Rating ist übrigens 111 – es kann im Bedarfsfall bis 666 herabgestuft werden.

Klare Worte vom Pontifex: aufgrund der angespannten Lage wird Benedikt in seiner nächsten Osteransprache statt „urbi et orbi“ den Satz „euro est murksi“ („Der Stadt und der Finanzkris‘ „) verwenden.

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2 Antworten zu Rommel, der Papst und ich – von Wüstlingen und Gott als Gläubiger

  1. Pingback: Habemus Amtsmüdigkeit – Tschüss, Benedetto! | Pingu-Mania

  2. signorina ortifrutticultura schreibt:

    Ach die arme EU, dabei habe ich sie gerade besonders lieben gelernt! Sie ersparte mir 2, 5 h Wartezeit auf dem Postamt in Bologna! Allein dafür hat sich doch der ganze Aufwand schon gelohnt!

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