Harry Potter und die globale Schuldenkrise

Gestern ist der letzte Harry-Potter-Film in den deutschen Kinos angelaufen. Parallel dazu stehen Europa und die USA vor einer Schuldenproblematik (außer natürlich Deutschland), gegen die ein Wolfgang-Emmerich-Apokalypsen-Trailer wie ein relaxendes Wellnessvideo wirkt . Kann das Zufall sein? Nein, es ist ein Wink des Schicksals, denn unser mittlerweile ausgewachsener Hogwarts-Absolvent ist der einzige, dem die Rettung des Euro und der Welt wohl noch ernsthaft zuzutrauen ist – und nach dem Ende seiner Filmkarriere ist er außerdem frei für neue Aufgaben.

Nach „Der, dessen Name nicht genannt werden darf“ folgt als Herausforderung „Die, deren Schulden keine Sau mehr bezahlen kann.“ Natürlich, gegen den Kampf mit Schuldengespenst und Finanzmarktmonster war der Zwist mit Hexerei-Heuschrecke Voldemort ein laues Lüftchen. Doch wenn es einer schaffen kann, dann Harry: Schließlich wurde er während seiner gesamten Schullaufbahn oft herauf-, nie jedoch herabgestuft, er weiß, wie man Eulen nach Athen kriegt und er kennt den Gründer der US-Ratingagentur Moody’s noch aus Schulzeiten.

Aber bleiben wir realistisch – auf magischen Beistand zu hoffen, ist genau so vernünftig wie Zinsen für portugiesische Staatsanleihen zu erwarten. Beschäftigen wir uns deshalb mal mit den derzeit schon aktiven Eurofightern, die für den Erhalt unserer gemeinsamen Währung alles geben. So möchte zum Beispiel die zuständige EU-Kommissarin Reding gerne die großen Rating-Agenturen zerschlagen, weil die offiziell bekanntgeben, was ohnehin jeder weiß: dass viele europäische Länder Probleme haben, ihre Schulden zurückzuzahlen. Das ist in etwa so, als hätte man zuhause ein Loch im Dach, durch das es kräftig reinregnet. Statt aber einen Dachdecker zu holen, verprügelt man lieber die Kinder, die das Problem in der Nachbarschaft herumerzählen. Andererseits: die Rating-Riesen selbst sind, wir formulieren es mal vorsichtig, entweder inkompetent oder kriminell inkonsequent: Vor der Finanzkrise 2008 haben sie auch noch das letzte Immobilienblasen-Schrottpapier mit Bestnoten ausgestattet. Jetzt wird eine ehrliche griechische Staatsanleihe, die eben einfach AUCH nichts wert ist, plötzlich viel schlechter bewertet (Pingu-Mania berichtete). Das verstehen wahrscheinlich nur Finanzexperten.

Was jedoch Mut macht: An Humor mangelt es den EU-Verantwortlichen bei ihrem Krisenmanagement auf jeden Fall nicht. So haben sie es noch vor dem Hochkochen der jüngsten italienischen Finanzmisere geschafft, sich auf den Italiener Mario Draghi als neuen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einigen. Perfetto! Nicht dass der jetzt unbedingt allein was für die karge Kassenlage auf dem Azzuri-Stiefel kann, aber wie sagt man so schön: Es geht doch um Psychologie und darum, die Märkte mit Zeichen zu beruhigen. Und da fragt man sich dann schon, warum man sich mitten in einer epochalen Schuldenkrise auf einen Banker aus einem finanzpolitischen Krisenland verständigt, der genauso heißt, wie ein kleiner Kinderbuch-Drache, der gerade zählen lernt.

Image ist alles: der neue Kämpfer für den Euro Mario Draghi will auch das Vertrauen junger Europäer für sich gewinnen. (Quelle: amazon.de)

Insgesamt pendelt die Lage also irgendwo zwischen mittel-, sinn- und hoffungslos. Immer mehr Menschen fürchten sich davor ebenfalls herabgestuft zu werden und dann in der Kneipe nicht mehr anschreiben zu dürfen oder wie unser FDP-Doktor-Simulant Jorgo Chatzimarkakis das akademische Top-Rating einzubüßen. Doch soweit ist es noch nicht. Denn selbst wenn Harry P. oder Mario, der kleine italienische Finanzdrachen nicht erfolgreich sein sollten, gibt es noch einen Alternativplan: Italien, Griechenland und Portugal werden einfach an den einzigen Menschen verkauft, der sich das leisten kann – an Joanne K. Rowling. So würde Harry Potter dann letztlich doch noch Europa retten.

Europäischer Finanzzauber: Harry P. trägt mittlerweile eine Rezessionskurve auf der Stirn, die bei jeder Ratingherabstufung anfängt zu brennen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Harry Potter und die globale Schuldenkrise

  1. Pingback: Rommel, der Papst und ich – von Wüstlingen und Gott als Gläubiger | Pingu-Mania

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s