Bis auf die letzten Hellas – die griechische Schuldenkrise

Griechenland ist pleite. Daran besteht kein Zweifel. Ob es aber auch offiziell pleite geht, das entscheidet sich in diesen Tagen, begleitet von Protestwellen, die seit dem Herbst letzten Jahres (mit seiner UPS-basierten Terrorwelle) noch an Intensität gewonnen haben. Einmal mehr beraten die EU-Verantwortlichen darüber, ob die Griechen sich als Gegenleistung für ihre Sparmaßnahmen über eine weitere Finanzspritze freuen dürfen, um damit bis zur nächsten Finanzspritze über die Runden zu kommen.

Ganz ehrlich: Das ganze Thema bewegt sich bereits seit langem weit außerhalb des normalen menschlichen Vorstellungsvermögens. Wenn allein der griechische Notkredit für ein paar Monate mit 110 Milliarden Euro mehr als ein Drittel eines deutschen Bundeshaushaltes umfasst, wird einem schon etwas schwummerig. Andererseits: Ungefähr diesen Betrag hat Deutschland ja bisher auch in das schwarze Loch Hypo Real Estate geschmissen – und das nicht im Zusammenspiel mit anderen europäischen Ländern, sondern allein. Doch damit kommt man zu einem weiteren interessanten Punkt: Denn die derzeit als großmütige Griechenretter auftretenden EU-Länder sind ja alle selbst verschuldet bis unters Dach. Wenn also Deutschland, Frankreich, Italien und all die anderen jetzt ein Schuldenrettungspaket für Griechenland schnüren, ist das eigentlich so, als würde Leo Kirch für Franjo Pooth bürgen.

Aber da es ja sehr viele verschiedene Abstufungen von „pleite sein“ zu geben scheint, können sich Deutschland & Co immerhin weiter Geld borgen. Ja, was dachten Sie denn? Dass das Geld für Griechenland aus Schäubles Notkoffer im Schreibtisch kommt? Nö, dass sind natürlich auch nur wieder neue Schulden bei einer Bank. Nachdem die Griechen dort rausgeschmissen wurden, gehen wir für sie rein, leihen uns das Geld und stecken es ihnen vor der Tür zu.

Überhaupt, die Banken. Erinnert sich noch jemand an die Finanzkrise von früher? Als die Banken alle am Abgrund standen und mit „Staatsknete“ gerettet werden mussten? Jetzt sollen die privaten Finanzinstitute im Zuge der Griechenlandkrise auch ein paar Lasten schultern. Aber natürlich, so wollen es die EU-Regierungen, AUF FREIWILLIGER BASIS. Darauf kann man sich schon freuen. Denn die soziale Ader von Bankern ist ja bekannt. Und mit dem freiwilligen Atomausstieg von e.on und dem Rücktritt von Gaddafi hat es ja auch super geklappt.

Bleibt zum Schluss die Frage, was eigentlich passiert, wenn die „Rettung“ der griechischen Finanzen nicht gelingt? Der SPIEGEL kann sich auf seinem aktuellen Cover nicht richtig entscheiden, ob dabei Griechenland stirbt oder der Euro, vielleicht sogar beide.

Quelle: spiegel.de

Wir wissen es auch nicht. Deshalb geben wir jetzt einfach den neuen Lieblingswitz unseres griechischen Finanz-Redakteurs Vassili Teuromarkakis zum Besten:

Kommt ein Grieche in die Drogerie, wedelt mit einem Geldbündel und sagt: „Ich würde gerne Klopapier kaufen.“ Darauf der Verkäufer: „Da kommen Sie extra her? Warum nehmen Sie denn nicht einfach gleich die Scheine?“

Nachtrag: Wie wir soeben erfahren, hat die EU neue Auflagen für Griechenland im Zusammenhang mit der Schuldenkrise erlassen. Um die schlechte Bonität des Landes künftig klar zu kommunizieren, muss die Landesflagge leicht überarbeitet werden:

Herabgestuft: Auf Druck der EU und einiger Rating-Agenturen wird aus dem schönen Plus auf der Fahne künftig ein Minus. (Quelle Ausgangsmaterial: Wikipedia)

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