TV Anal – die EHEC-Krise als modernes Infotainment

Deutschland wird derzeit Zeuge eines einmaligen medialen Pionierversuchs – unzählige Fernseh- und Radiosender testen gleichzeitig ein neues Showkonzept, gewissermaßen ein Ratespiel auf veganer Basis. Arbeitstitel: EHEC – das Gemüse-Quiz, moderiert von Daniel Bahr unserem jung-dynamischen Gesundheitsminister.

Das Ganze funktioniert in etwa so: Hunderte Menschen stecken richtig in der Scheiße. Um sie zu retten müssen verschiedene Kandidaten aus Gesundheitsämtern, Forschungsinstituten, Landes- und Bundesgesundheitsministerien herausfinden, hinter welchem Gemüse sich der gemeine EHEC-Zonk versteckt hat. Sie dürfen dabei eigentlich alles, Telefon- und Laborjoker verwenden, aber auch einfach wild drauf losraten. Allein, bisher hat niemand einen gescheiten Lösungsvorschlag gemacht. Vergangene Woche schied die mit großem Vorsprung gestartete Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks kurz vor dem Hauptgewinn aus – sie hatte zu hoch gepokert und zu früh auf spanische Gurken gesetzt. Derzeit sitzt der niedersächsische Verbraucherschutzminister Gert Lindemann auf dem heißen Quiz-Stuhl, seine Final-Antwort „Sprossen vom Biohof“ wird noch geprüft.

Das Besondere an dem neuen Show-Konzept: Für den verängstigten Durchschnittsbürger gibt es bei all dem eigentlich nichts zu gewinnen, als Hauptpreis zahlt er lediglich Gebühren, Steuern, vielleicht mit seinem Leben. Zudem ist der Ratespaß direkt mit einer Dauertalkshow gekreuzt, bei der immer die mit der wenigsten Ahnung am meisten reden dürfen.

Bestes Beispiel: die Grünen. Sie üben sich derzeit in der Königdisziplin während großer Krisen, der Kritik am Krisenmanagement. Das ist in etwa genauso hilfreich, wie die EHEC-Darmbakterien fürs Krankmachen zu kritisieren, sichert aber mal wieder die Aufmerksamkeit der in letzter Zeit befremdlich grünschnäbeligen deutschen Presselandschaft. Dabei ist doch eins mal klar: Wer, wenn nicht die Grünen und ihre Jünger, ist denn daran Schuld, dass wir solchen alternativen Öko-Quatsch wie Sprossen überhaupt essen? Statt als große EHEC-Krisen-Kritiker sollten die Grünen lieber mal als „EHEC-Ursache“ untersucht werden, denn mit ihrem gemüsefokussierten Grünkernmantra sind die doch letztlich so etwas wie die Lehman Brothers der aktuellen deutschlandweiten Durchfallkrise.

Sprossenessen ist nichts anderes als das Verzehren von Pflanzenbabys – eine Barbarei, für die uns die Natur nun vielleicht bestraft. (Foto: Frank C. Müller)

Wie wir soeben erfahren, hat sich der Verdacht gegen die Biosprossen des niedersächsischen Hofes derzeit noch nicht bestätigt. Das Robert-Koch-Institut und Gesundheitsminister Daniel Bahr haben deshalb ihre Warnung vorsichtshalber auch auf andere Sprossenarten ausgeweitet. „Auch bei Leitersprossen und Sommersprossen können wir derzeit nichts ausschließen“, so ein Experte, der nicht namentlich genannt werden will. Vom Verzehr von Trittleitern und dem Verschlingen von Pippi-Langstrumpf-Büchern wird deshalb dringend abgeraten.

Kinderidol im Zwielicht: Ob auch Sommersprossen EHEC übertragen können und inwieweit man Bücher vor dem Verschlingen durchgaren kann, wird derzeit noch überprüft. (Quelle Ausgangsmaterial: Wikipedia/kungfuman)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu TV Anal – die EHEC-Krise als modernes Infotainment

  1. Pingback: Wichsverbot im Hexenhaus | Pingu-Mania

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s