Helsinki is Hell – der Tod des europäischen Traums

Von vielen hätte man es erwartet –  nur nicht von den freundlichen Finnen. Es ist schon ein paar Jahre her, da sang Hape Kerkeling, verkleidet als skandinavischer Skandalrapper der von ihm erschaffenen finnischen Phantasie-Formation R.I.P.ULI die unvergesslichen Zeilen „This is finnish, but not the end.“ Jetzt ist das Ende doch gekommen, es heißt R.I.P. und zwar für den Traum von einem Friede-Freude-Eierkuchen-Europa. Schuld ist diesmal eine echte Pöbelcombo: die rechtspopulistische Partei „Wahre Finnen“, die bei der Parlamentswahl fast 20 Prozent erreicht hat.

Die „Wahren Finnen“ wollen raus aus dem Euro, eigentlich am liebsten raus aus Europa und auch sonst das übliche, was man als Rechtsrandpartei so im Bauchladen hat: Ausländer raus, Homoehe weg, Abtreibung verbieten. Dieses Programm überrascht nicht, doch der Erfolg erschüttert uns verträumte Zentraleuropäer geradezu. Ist nicht ganz Skandinavien ein riesiger Ideal-Sozialstaat, voll blonder hübscher Frauen und lachender Jack-Wolfskin-Männer, ein kosmopolites Schlaraffenland, in dem schon Kindergartenkinder fließend Englisch sprechen, in dem Toleranz auf Bäumen wächst und wo Familie und Beruf glücklich verheiratet sind? Scheinbar nicht. Nicht mal dort scheint man sich noch bedingungslos für den europäischen Traum begeistern zu können.

Woran liegt das? Wieso freuen sich junge Finnen nicht über eine EU, die einem Mitgliedsland wie Deutschland das Monstrum Vorratsdatenspeicherung per Zentralorder vorschreibt – der Überwachungsstaat als bürgernaher Pflichtservice. Oder wieso haben die Finnen kein Verständnis dafür, dass ihr Steuergeld und ihre Zukunft unter dem Etikett der Euro-Rettung in einen Kapitalmarkt hinein geschreddert wird, der am Schuldendienst der Staaten ebenso verdient wie an Wetten auf ihre Pleite?

Doch bei allem Verständnis für finnische Befindlichkeiten dürfen vor allem wir Deutschen uns bestätigt sehen. Jahrelang mussten wir uns vom PISA-Tribunal anhören, dass unsere Schüler so doof sind, weil wir es nicht machen, wie die schlauen Finnen, bei denen das ganze Land eine einzige Gesamtschule ist, in der „länger gemeinsam gelernt“ wird. Jetzt aber beginnt man sich zwischen Helsinki und Tampere für Haupt-, Realschule und Gymnasium zu interessieren: Denn für 20% für eine rechtspopulistische Partei hat es selbst mit unserem ach so miesen Bildungssystem noch nicht gereicht…

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2 Antworten zu Helsinki is Hell – der Tod des europäischen Traums

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