Ein Linker leistet sich was – der neue Spaß am Sozialismus

Pingu-Mania hat bereits in der Vergangenheit über das Missverhältnis von sozialer Eigen- und Fremdwahrnehmung berichtet. Jetzt gibt es einen neuen, spektakulären Fall: Der Chef der Linkspartei Klaus Ernst hat wieder zugeschlagen. Der selbst von Parteifreunden als „Luxus-Linker“ kritisierte, sah sich aktuell offensichtlich genötigt, seinen Lebensstil offensiv zu vertreten. In einem SPIEGEL-Interview gab er dabei nicht nur interessante Einblicke in sein Privatleben und seine Gedankenwelt, sondern hauchte gleichzeitig allen Linken und dem Sozialismus neues Leben ein. Ganz im Ernst.

Doch der Reihe nach, was hat er überhaupt gesagt? Er fahre gern Porsche ließ er wissen, habe hart für sein Geld gearbeitet und gebe dieses nun gerne aus. Soweit so gut. Doch Ernst wäre nicht Ernst, würde er danach nicht grundsätzlich werden. „Man kann als Linker nicht nur rumlaufen, als hätte man drei Tage lang nicht geschlafen, nichts gegessen und auch noch schlecht gesoffen“, schreibt Ernst seinen Genossen in die mentale Mao-Bibel. Mit seinem optischen Gesamteindruck ist Klaus Ernst also offensichtlich zufrieden. Gar nicht einverstanden ist er jedoch damit, dass er überhaupt kritisiert wird. Er „begründet“ dies mit einem gewagten Argument: Eine Partei, die ihren führenden Leuten vorschreibe, wie sie zu leben haben, sei „so attraktiv wie ein Kuhfladen“.

Fragen wir vorerst einmal nicht, wie attraktiv eigentlich eine Partei ist, wenn ihr Vorsitzender Klaus Ernst heißt. Bleiben wir beim Kernargument: Der Linke-Chef will doch im Prinzip sagen: ohne angemessene Vergütung mit entsprechend folgendem Lebenswandel könnt ihr einen High-Potential wie mich langfristig gar nicht an euren Laden binden. Interessant ist dabei, dass so auch die vor kurzem noch vielgescholtenen Banken die horrenden Gehälter für ihre Topmanager begründeten. Boni her, sonst Eliten-Exodus ins Ausland. Damals stand Herrn Ernst der Schaum vor dem Mund, jetzt zischt er wohlig im Champagner-Glas. Der linke Klaus hat begriffen: Von Banken lernen, heißt kriegen lernen.

Unterstützung für seine Thesen bekommt Ernst übrigens vom Interessenverband der in Saus und Braus lebenden Diktatoren (I.N.V.I.S.B.L.E.). Der aktuelle Vorsitzende Kim Jong-il hielt fest: „Wenn meine Genossen aus dem Volk mir vorschreiben würden, dass ich genauso bettelarm wie sie leben soll, wäre dieser Posten für mich nicht mehr interessant. Ich würde dann lieber in die freie Marktwirtschaft wechseln, wovon mich bislang moralische Bedenken abhalten.“

Doch zurück zu Klaus Jong-Ernst. Dieser gibt sich in seinem Interview-Manifest keineswegs damit zufrieden nur seine eigenen linken Laster zu verteidigen. Vielmehr setzt er an zu einem großen politischen Entwurf. So spricht er: „Ein Enthaltsamkeitssozialismus ist mit mir nicht zu machen“ und „Auch als Linker darf man Lebensfreude zeigen“. Machen wir uns nicht die Mühe, die Begriffe „links“ und „Sozialismus“ vernünftig voneinander abzugrenzen, der Polter-Klaus tut es schließlich auch nicht. Denken wir uns lieber in die unendliche Tragweite dieser ernsten Gedanken hinein. Ja, vielleicht war das Problem des so oft gescheiterten Sozialismus bisher die Enthaltsamkeit. Vielleicht hätten die Bürger in der DDR viel mehr Spaß gehabt, wenn sie auch ab und zu mal mit dem Porsche in ihr Tiroler Ferienhaus gefahren wären, statt ihren Führungskräften immer nur vorschreiben zu wollen, wie sie ihren Staat zu führen haben.

Aber auch umgekehrt: Vielleicht war vieles, was wir bisher leichtfertig als proletariatsverachtenden Protz abgetan haben eigentlich im Kern sozialistisch? Sind vielleicht die prunkvollen Palastanlagen von Versailles ein aufmunternder Aufruf an das Volk, sich auch mal eine Auszeit zu können und sich nicht nur enthaltsam zu empören? Pingu-Mania ist dieser Frage nachgegangen und kann ohne falschen Pathos sagen: Die Geschichte des Sozialismus muss neu geschrieben werden.

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Pingu-Mania hätte gerne noch weitere Beispiele präsentiert. Doch der liebe Arbeiterführer und Hobbyhistoriker Klaus Ernst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Haben Sie weitere Vorschläge? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

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Eine Antwort zu Ein Linker leistet sich was – der neue Spaß am Sozialismus

  1. Melusine schreibt:

    Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen! Das leicht verstaubte sozialistische Verteilungsprinzip gewinnt neuen Glanz. Ich bin begeistert!

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