Überraschung: Giftige Schweinerei – jetzt in jedem 7. Ei

Eine alte Weisheit besagt: Wenn es Hühnersuppe gibt, ist entweder der Bauer krank oder das Huhn. Eine etwas neuere Form geht so: Wenn es einen Lebensmittelskandal gibt, ist entweder zuviel Schädliches im Essen oder zuwenig los in den Medien. Denn ganz im Ernst, das aktuell mit viel Schaum aufgequirlte Medienomelette um dioxinverseuchte Eier ist bei genauer Betrachtung doch weniger ein heißes Ei(sen) als vielmehr aufgewärmter Ei-Schnee von gestern.

Bevor gleich Entrüstungsschreie aufbranden: Mitnichten soll hier das derzeit in den Medien thematisierte verniedlicht werden. Im Gegenteil, Pingu-Mania geht satzungsgemäß davon aus, das jenes nur die Spitze des Eisbergs und alles noch viel schlimmer ist. Es spricht für sich, wenn es im Rahmen unserer industriellen Lebensmittelproduktion Betriebe gibt, in denen sowohl Treibstoff als auch Futtermittel hergestellt werden, manchmal auch beides gleichzeitig. Doch besonders unappetitlich finden wir aktuell die Rolle der Medien in dieser unheilvollen Nahrungskette.

Denn hört man einmal genau hin, dann heißt es in allen Nachrichten bisher entweder, dass niemand nichts genaues weiß oder dass kein Grenzwert in irgendeinem Ei überschritten wurde. Natürlich kann man darüber trotzdem berichten, aber man muss ja nicht gleich sämtliche Grenzwerte für seriöse Titelseitenüberschriftsgrößen und Radioschlagzeilenlautstärken pulverisieren.

Viel interessanter ist jedoch, dass die Medien ein kurzes Gedächtnis haben und so in regelmäßigen Abständen ein faszinierendes Verbraucher-Ping-Pong in Bewegung halten, von einem belasteten Produkt zum nächsten und wieder zurück. Ein schönes Beispiel ist die aktuelle Empfehlung, zum Schutz vor Vergiftung auf Bio-Eier umzusteigen. Erinnert sich noch jemand an den Eier-Dioxin-Skandal vor ein paar Jahren, als besonders Bio-Eier betroffen waren, da die glücklichen Biohühner das ganze aus dem leider belasteten Bioboden gekratzt hatten? Damals wirkten die Dotter, die sich Legebatterienhennen aus ihren wunden Pötern gequetscht hatten plötzlich ungeheuer sympathisch. Selbstschutz geht schließlich vor.

Wenn man den Betrachtungszeitraum noch etwas vergrößert, wird aus dem medial angeheizten Verbraucher-Ping-Pong übrigens ein heiterer Kreistanz. Denn es ist doch verwunderlich angenehm, dass sich Lebensmittelskandale und Epidemien in der medialen Verwurstung schön ordentlich der Reihe nach ablösen, damit der Verbraucher seinen Speiseplan verantwortungsbewusst anpassen kann: erst Rinderwahn, dann Schweinepest, dann Vogelgrippe, dann wieder Dioxin-Eier, vielleicht irgendwann Fußpilz bei Katzenpfötchen. Jedes Mal gibt es erst große Eilmeldungen, dann die erschreckende Erkenntnis, dass irgendwie ein Fehler im System steckt, dann erklärt ein Verbraucherschützer, dass man mal irgendwie „bio“ machen soll, am Ende tagt dann noch mal Anne Will und dann geht das große Fressen erst einmal weiter. Und zwischen diesen Verarbeitungsstufen des Themenbreis kommen in den Werbepausen Spots, die Discounter-Schweinefleisch für 1,99 Euro das Kilo anpreisen. Manchmal ist die Reklame eben erhellender als jeder redaktionelle Beitrag.

Fazit: Pingu-Mania mahnt einerseits zur Besonnenheit, andererseits auch zu nachhaltiger Wachsamkeit, denn eine soeben von uns erfundene Bauernweisheit sagt: „Kräht der Medien-Hahn mal nicht von Schadstoffmist, heißt das noch nicht, dass kein Mist im Essen ist.“

Über all dies gerät zudem in den Hintergrund, dass Pingu-Mania einen viel größeren Eier-Skandal aufgedeckt hat. Denn nach Lebkuchen und Weihnachtsmännern Anfang September gibt es jetzt die nächste Eskalationsstufe der distributiven Frühejakulation: Ostereier im Januar.

Dieses Foto entstand vor zwei Tagen in einem deutschen Supermarkt. Möglicherweise sind auch diese Ostereier dioxinbelastet – die Bemalung erfolgte jedoch mit kaltgepressten Naturfarbextrakten aus nachhaltigem Bio-Anbau.

Mancher mag das ganz normal finden. Nach Ansicht von Pingu-Mania liegt jedoch genau hier die Wurzel allen Übels, der böse gemeinsame Kern aller Lebensmittelskandale. Hieß es früher noch biblisch bescheiden „Alles hat seine Zeit“, spricht heute der Markt „Alles hat seinen Preis“. Wir müssen ihn bezahlen und wir sind selbst schuld. Wir sind schuld, dass sich führende Philosophen neuerdings fragen, was zuerst da war, das Ei, das Huhn oder die erhöhte Dioxinbelastung. Wir selbst sind schuld, dass die eierlegende Wollmilchsau an sieben Tierseuchen gleichzeitig gestorben ist. Und wir selbst sind schuld, dass der Slogan für mit Rindergelatine geschmeidig gemachte Gummibärchen demnächst vielleicht lauten wird: Haribo macht Kinder froh und Erwachsene Seveso.

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4 Antworten zu Überraschung: Giftige Schweinerei – jetzt in jedem 7. Ei

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  4. Philippsen, Holger schreibt:

    Mal wieder ein erstklassiger Bericht!! Danke.
    Das Foto wurde bei penny aufgenommen.
    Habe ich jetzt ein Ü-Ei gewonnen, oder so was?

    Ich stelle mich jedenfalls auf die Dioxin-Gefahr ein und habe – um nicht auf mein tägliches Vier-Minuten-Ei verzichten müssen – im wöchentlichen Wechsel zur Entlastung der Tiere Pinguin-Eier aus der Antarktis und Straussen-Eier aus Australien angefordert. Feinkost Müllerdings macht so was.

    Freue mich auf Eure nächste Tat, holger

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