Von Schwarzsehern und weißer Pracht – ein Land im Schneechaos

Deutschland versinkt im Schnee. Vor einigen Jahren war dies noch Branchenjargon resignierter Drogenfahnder. Jetzt ist es ein Allgemeinplatz auf dem noch niemand die weißen Flocken weggefegt hat. Soll heißen: Alle reden vom Wetter – wir also auch.

Da wäre zunächst die Frage, warum es überhaupt soviel schneit. Schließlich haben wir doch angeblich seit Jahrzehnten menschengemachte Erderwärmung. Mittlerweile aber stehen die Heerscharen der CO2-Hysteriker nur noch mit klappernden Zähnen und klammen erhobenen Zeigefingern, dafür aber ohne einleuchtende Argumente da. Vielmehr scheinen Fachleute wie George W. Bush jr. oder führende Lobbyisten der Automobilindustrie Väterchen Frost auf ihrer Seite zu haben, wenn sie die heiße Luft der nächsten Spekulationsblase wieder mit fossilen Brennstoffen aufwärmen wollen.

Die Frage nach dem „Warum“ ist aber ohnehin nur etwas für Kenner. Denn der Schnee ist nun einmal da und wir alle müssen mit ihm zurechtkommen. Am einfachsten ist es, wenn man ganz im Sinne von Albert Camus einfach mal zuhause bleibt. Denn Strom und Heizung funktionieren deutschlandweit bisher absolut störungsfrei. Selbiges kann man von sämtlichen Reisemöglichkeiten leider nicht behaupten. Die Flughäfen sind zu Flugzeugparkplätzen mit angrenzender Notunterkunft geworden, die Autobahnen zu Loipen mit Leitplanke und die Bahn riet diese Woche per Radiodurchsage von Zugreisen ab (die Pingu-Mania-Redaktion bedauert, dass es sich hierbei nicht um einen Scherz handelt). So führt der Schnee zu einer Wiederentdeckung der Langsamkeit, er lehrt uns, dass „Dasein“ viel mehr ist als „unterwegs sein“ und dass selbst ein deutscher Schienenstaatskonzern in letzter Konsequenz selbstlos ist: „Thank you for NOT travelling with Deutsche Bahn.“

Gerade im Rahmen solch metaphysischer Überlegunge verdienen die deutschen Straßen noch einmal besondere Beachtung. Wer sich zum Beispiel all die Jahre gefragt hat, warum Chris Rea in seinem Weihnachtsdauerbrenner „Driving home for Christmas“ niemals zuhause ankommt, der erhält in diesem Jahr endgültig die Antwort: das Streusalz ist alle. Streng genommen ist es nicht einmal alle, es ist eher wie auf einem Frühstückstisch mit hartgekochten Eiern: Zwar gibt es genug Salz, doch es ist nie da, wo es gebraucht wird. Wenn es zum Beispiel in den Kommunen gebraucht wird, ist es bei den Autobahnmeistereien. Und wenn es auf den Autobahnen gebraucht wird, ist es noch auf irgendeinem Frachter.

Ein halbwegs zurechnungsfähiger Mensch fragt sich natürlich, warum die zuständigen Stellen nun schon das zweite Jahr in Folge nicht in der Lage sind, genug Salz einzukaufen? Warum das Salz dieses Mal schon am Anfang des Winters alle ist und nicht erst gegen Ende? Und warum gleichzeitig die Deutschen Jahr für Jahr viel zu salzig essen und zwar in einem Maße, dass es gesundheitsschädlich ist? Pingu-Mania schlägt als Antwort auf all diese quälenden Fragen einen kombinierten gesundheits- und verkehrspolitischen Ansatz vor, gewissermaßen einen Ramsauer-Rösler-Plan: Allen Deutschen wird im nächsten Jahr das Speisesalz gestrichen und ebendieses im Winter auf den Straßen verteilt. Von den gesparten Gesundheits- und Unfallkosten fahren dann alle als Belohnung zu einem kleinen Erholungsurlaub – ins Solebad.

Über all diese ernsten Themen gerät jedoch in den Hintergrund, dass die weiße Weihnacht, romantischer Urwunsch eigentlich aller Menschen, ohne Schnee schlicht nicht realisierbar ist. Und so wird am heiligen Abend als Fazit all des Schneegemeckers doch wieder nur bleiben: „Hach is dat schön“. Denn wer möchte schon Bing Crosbys Klassiker als Autobahn-Remix „I’m dreaming of the white Streusalz“ hören oder Sinatras Everwhite als zeitgemäß eingesungenen Gehweg-Schmachtfetzen „Let it streu, let it streu, let it streu“? Eben. Deshalb ruft Pingu-Mania alle Schneemänner und Schneefrauen in Deutschland auf: Sehen Sie die ganze Sache nicht zu schwarz und genießen Sie einfach die weiße Pracht. Für alle, die jedoch noch im Auto, am Flughafen oder in einem Zug unterwegs sein müssen, hier noch einmal die wichtigsten Schnee-Impressionen zur aktuellen Verkehrslage.

Auch Schwarzfahrer ganz in weiß: ein ICE auf der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Kassel und Göttingen

Weißer Riese: ein Airbus A 380 wartet an seinem Terminal am Flughafen in Frankfurt/Main

Weihnachtliche Lichterkette: der bisher längste Stau dieses Jahres auf der A2 Höhe Eilsleben

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