Straßenstrich 2.0 – Google Street View ist gestartet

Deutschland geht auf die Straße. Nicht gegen soziale Ungerechtigkeit, nicht gegen Keller-Bahnhöfe und nicht gegen Atomkraft, sondern gegen die Langeweile: mit Street View, dem neuen Angebot des rastlos-innovativen Wunderkonzerns Google, das gestern in Deutschland endgültig an den Start gegangen ist.

Nach Monaten der Datenschutz-Debatten und der Hausfassaden-Hysterie kann man nun am Schreibtisch dreidimensional und digital durch Deutschland spazieren. Und da man bei Spazierengehen so gut nachdenken kann, fallen einem nach und nach immer mehr Skurrilitäten rund um diesen vieldiskutierten Service auf:

– Bei wem man auch schaut – jeder Nutzer sucht zuerst sein eigenes Zuhause auf. So sehen sich hunderttausende Menschen am Computer mit Begeisterung Bilder von Häusern an, vor denen sie jeden Tag ganz real stehen und in denen sie im selben Moment vielleicht sogar sitzen.
– Immer wieder sieht man verschwommene Bereiche. Dort wohnen, so weiß man sofort, einige der knapp 250.000 Leute, die aus Angst um ihre Privatsphäre ihr Haus haben unkenntlich machen lassen. Der Irrsinn dieser Aktion wird einem im Angesicht des Bildbreis erst richtig bewusst. Menschen, die für jedes Almosen-Gewinnspiel sämtliche persönliche Daten herausrücken, die wildfremden Menschen in Bus und Bahn ihre Lebensgeschichte erzählen oder die Parteien wählen, die Bürgerrechte abschaffen, verstecken hier Einblicke, die in dem Programm, das wir „echtes Leben“ nennen, nach wie vor und sogar in deutlich höherer Auflösung verfügbar sind.
–  Was wird eigentlich aus Menschen, die in einem von Nachbar oder Vermieter digital ausradierten Haus leben und ihr Heim gern online bewundern würden? Wer sagt denn, dass der Wunsch nach „Privatsphäre“ der einen Mietpartei höher zu werten ist, als der Wunsch nach Teilhabe am digitalen Straßenverkehr  der anderen? Ein erbitterter Rechtsstreit zwischen Fans und Feinden steht hier wohl bevor – beim Deutschen Mieterbund wurde, so erfuhr Pingu-Mania soeben, bereits die Task-Force „Guckuck – wo bin ich? – Rechtsberatung für digitale Fassadenschmierereien“ gegründet.

Was bleibt als erstes Fazit? Spontan macht Google Street View richtig Spaß – außer man ist einer der immer noch unerfreulich gut zu erkennenden Menschen vor Sex-Shops, Bordellen oder Drogenausgabestellen. Alles weitere muss man abwarten. Bis dahin könnte man sich um ein viel drängenderes „Street View“-Problem kümmern: gelangweilte Rentner, die einen den ganzen Tag aus dem Fenster beim Einparken, Auspacken und Herumlaufen beobachten. Wieso hält denen nicht mal einer ne Pixelwand vor’s Gesicht?

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2 Antworten zu Straßenstrich 2.0 – Google Street View ist gestartet

  1. Pingback: Google darf Suchanfragen nicht mehr vervollständ | Pingu-Mania

  2. Melusine schreibt:

    Großes Kino!

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