Ganz unten – eine Reportagereise durch Süddeutschland

In Bayern brummen Wirtschaft und Bildung, in Baden-Württemberg wird rund um das Projekt Stuttgart 21 gerade die Demokratie neu erfunden. Süddeutschland ist das pulsierende Kraftzentrum unseres Heimatstaates. Pingu-Mania hat sich anlässlich des 25. München Marathons an den Südpol unserer Republik begeben und dort aber auch auf dem Weg dorthin viel gelernt: über unsere Vergangenheit, über unsere Zukunft und warum Pinguine und Weißbier nicht zusammenpassen. Das und mehr lesen Sie ab heute in der mehrteiligen Reisereportage „Ganz unten“.

Teil 1: Vom Preis des Pinkelns, wartendem Wirtschaftswachstum und Vergnügen im Verkehr.

Wer mit dem Auto nach Süddeutschland fährt, kann deutsche Autobahnen in voller Länge genießen. Auf diesem Wege wird er früher oder später auf einen Begleiter treffen, vor dem wir alle die Hosen runterlassen und der uns dabei kräftig in die Taschen greift: das Sanifair-System. Diesem Unternehmen ist es gelungen aus dem menschlichen Grundbedürfnis des Wasserlassens einen millionenschweren Kapitalfluss zu machen. Aber wie? Zunächst wurden dafür sämtliche Autobahntoiletten mit Einlasskontrollkassierautomaten verrammelt, wie man sie sonst nur aus Fußballstadien und Konzerthallen kennt. Zwischen Becken und Hosenschlitz stand nun der Münzeinwurfschlitz. Zur Eingewöhnung wurde nun ein einfaches und scheinbar faires Geschäftsmodell eingeführt: Oben 50 Cent in den Automaten rein, unten 50-Cent-Verzehrgutschein raus. Im Prinzip wurde der Toilettenbesuch somit zur Gratisprämie beim Essenmarkenkauf, so wie man auch eine Uhr oder einen Pürierstab zum Zeitungs-Abo bekommt.

Doch irgendwann passten sich die Automaten dem menschlichen Stoffwechsel an. Kurz: Unten kam weniger raus, als man oben reingesteckt hatte. Für den 50-Cent-Verzehrgutschein wurden oben nun 70 Cent fällig und aus dem Urinstrahl wurde eine Goldader. Ganz gleich wie groß die Differenz auch werden wird – von den pinkelwilligen Parkplatzbesuchern ist hier kein Widerstand zu erwarten. Kein Wunder: Wer schon einmal mit einer prall gefüllten Blase auf einer Autobahnraststätte stand, weiß, was das Wort „Preisdruck“ noch bedeuten kann.

Für die Zukunft lässt das Schreckliches befürchten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie bei der nächsten Pinkelpause einen guten Euro in den Sanifair-Automaten stecken und unten Telekom-Aktien oder griechische Staatsanleihen herausbekommen.

Wenn man von der Autobahntoilette zurück auf die Autobahn gewechselt ist, stellt man schnell fest: Beim pi**en läuft es meist deutlich flüssiger als auf der Piste, denn die A7 gen Süden gleicht einer einzigen Baustelle. Vermutlich werden hier gerade mit sehr viel Geld aus dem Konjunkturpaket gegen die Finanzkrise Löcher im Asphalt gestopft. Gleichzeitig verursachen die Baustellen jedoch jede Menge Staus, die bekanntlich durch ihre Wartezeiten ein volkswirtschaftliches Problem in Milliarden-Dimension sind. Insgesamt sieht Wirtschaftspolitik aus der Autobahn-Perspektive also folgendermaßen aus: Mit Staatsgeldern repariert man Straßen, um die Wirtschaft in Fahrt zu bringen, doch leider bleibt der Aufschwung bereits am nächsten Autobahnkreuz in dem dazugehörigen Baustellenstau stecken.

Damit man im Angesicht solcher Tatsachen und beim Warten im Stau keine schlechte Laune bekommt, werden die Autobahnmeistereien in Zukunft auf ein völlig neuartiges Konzept setzen: mobiles Deeskalations-Entertainment. Es befindet sich derzeit noch in der Testphase doch unserem Pingu-Mania-Fotografen Fuji Makavoto gelang auf unserer Tour gen Süden ein Bild eines Einsatzfahrzeuges.

Gute Laune auch ohne gute Fahrt: der Straßenunterhaltungsdienst soll künftig gerade in langen Staus für Kurzweil sorgen.

Auf Anfrage und konfrontiert mit unserem hochauflösenden Beweismaterial wurde uns von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer persönlich bestätigt: Künftig sollen landesweit etwa fünfzig Trucks unter dem Label „Straßenunterhaltungsdienst“ Bands, Clowns, Theatergruppen, Artisten und vieles mehr in besonders aussichtslose Staugebiete bringen, um „die Menschen dort wenigstens stimmungsmäßig wieder etwas in Fahrt zu bringen“, wie Peter Ramsauer es formulierte. Neben großen Shows an Stauanfang und -ende sind laut vorläufigen Einsatzplänen auch Wandervorstellungen entlang des Streckenverlaufs geplant. Das Pingu-Mania-Team hat den Auftritt des von uns gesichteten Stimmungs-Lasters leider verpasst. Wir verließen die Autobahn und folgten der Umleitungsempfehlung. Minister Ramsauer dazu: „Wir können niemanden zu seinem Glück zwingen.“

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3 Antworten zu Ganz unten – eine Reportagereise durch Süddeutschland

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  3. Franzi & Chris schreibt:

    Liebster Martin,

    sehr schön. Was haben wir gelacht :o)
    Hoffentlich seid ihr auf der Rückfahrt gut „unterhalten“ worden?

    Weiter so!

    Viele liebe Grüße aus „dem reichen Süden“,
    Franzi & Chris

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