Glämmer – die Lifestylekolumne

Nichts als schöne Worte – wie Beautywerbung die Sprache hässlich macht

von Fronck Provo-Cassion

Wer darf einer Frau permanent ein schlechtes Gefühl geben, ihre Hoffnungen immer wieder enttäuschen und wird trotzdem von ihr angebetet? Richtig, die Granden der Kosmetikindustrie.

Diese Branche setzt den Gutmenschen-Weisheiten, nach denen wahre Schönheit von innen kommt und Persönlichkeit wichtiger ist als Aussehen, schlichte Zahlen entgegen: einen zweistelligen Milliardenbetrag, den Menschen allein in Deutschland jährlich für Körperpflege ausgeben. Einen Großteil für Produkte, die eben nicht nur sauber, sondern auch schöner, jünger und straffer machen sollen.

Die Suche nach einem Zaubermittel für ewige Schönheit ist nicht neu. Schon Kleopatra stürzte sich in Eselsmilch, um der königlichen Haut die nötige Zartheit zu verleihen. Neu sind jedoch die zum Teil obskuren Namen und Geschichten dieser Produkte oder ihrer Bestandteile. Bandwurmartige Beauty-Anglizismen und -fantastereien geistern durch die Werbeblöcke und stellen nicht nur die Konzentration des Zuschauers auf die Probe, sondern auch die Glaubwürdigkeit ihrer Schöpfer in Frage. Sie ahnen bereits, was gemeint ist: Würde es heute einen Badezusatz für Kleopatra geben, so hieße dieser statt Eselsmilch zweifellos SmoothMilk IA.

Doch schauen wir uns ein Beispiel an: So rühmt sich ein bekanntes Shampoo damit, Gelée Royal zu enthalten. Gelée Royal ist kurz gesagt Bienenspucke, mit der Arbeiterinnen ihre Königin ernähren. Ob dies menschlichen Haaren gut tut, soll jeder selbst beurteilen. Doch man fragt sich, wie viele Bienen wohl auf Fließbänder sabbern müssen, um die Weltshampooproduktion am Laufen zu halten. Und man fragt sich erst recht besorgt, welche tierischen Absonderungen wir uns demnächst unter hippen Namen in die Haare schmieren dürfen. Den Achselschweiß des Azurblauen Rosettenkolibris als „ Tropical Sweat“? Ausgepressten Jacobsmuschelpenis als „Essence of the Sea“?

Doch es geht noch eine Spur abgehobener. Einige der kosmetischen Zaubersubstanzen lassen in ihrem Namen keinerlei Verbindung mehr zur natürlichen Welt erkennen. Wortgeschwülste wie Relaxenium QLX klingen eher nach dem unehelichen Sohn des kleinen Latinums mit einer Star-Wars-Figur als nach realen Wirkstoffen. In scheinbar beliebigen Kombinationen aus Zahlen und Sonderzeichen springen die kleinen sprachlichen Frankensteinmonster aus den Beauty-Laboren direkt auf das Fernsehsofa. Mittlerweile dürfte es wohl für eine geneigte Kundin in etwa dem Aufwand eines Chemiegrundstudiums entsprechen, die wichtigsten Cremes, Tinkturen, Salben und Haarpflegemittel nebst ihrer klangvollen Inhaltsstoffe einigermaßen im Blick zu haben.

Welche Folgen das haben kann, zeigt ein anderer Werbespot sehr eindrücklich. In diesem wird die Schauspielerin Iris Berben von ihrer Mutter angerufen und faselt anstelle eines familiären Gesprächs ohne Vorwarnung über die Inhaltsstoffe ihres Haarfärbemittels. Was lernen wir daraus? Erstens: Manche Kopf-Tönung hat mehr Tiefenwirkung als man glaubt. Zweitens: Manchmal sind Brünetten die besten Blondinen. Und drittens: Egal wie lange wir über dieses Thema reden – schön ist das nicht.

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3 Antworten zu Glämmer – die Lifestylekolumne

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  2. Anonymous schreibt:

    Manchmal ist man der Hund, manchmal der Baum!

  3. Anni schreibt:

    Was für eine Koinzidenz! Erst vor kurzem hab ich auch genau darüber gegrübelt. Ist Dir aufgefallen, dass sich in der Beautynomenklatur außerdem starke Unterschiede zwischen Männer und Frauenprodukten zeigen? Während man sich als Frau silk-touch-super-soft die Haare entfernt, greifen Männer zum „Turbo Booster“ After shave (? – kurz gegooglet: Es ist Gesichtscreme und heißt in voller Länge: L’Oréal Paris Men Expert Hydra Energy Turbo Booster.) .

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