Adler Sturzflug – die Politkolumne

Atomkraft, Armee und Ameisen – eine schwarz-gelbe Zukunftsvision

von Silo Tharrazin

Forscher der Universität Regensburg haben in Ameisenkolonien eine interessante Entdeckung gemacht. Erkrankt eine Ameise, so verlässt sie eigenständig den Ameisenhügel und geht ins Exil. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Mechanismus hilft, Ameisenvölker vor sich ausbreitenden Infektionen zu schützen.

Das Ganze ist ohne Zweifel ein Wunder der Natur. Doch nicht nur das. Bei genauerem Hinsehen verbirgt sich dahinter ein Konzept, das FDP-Gesundheitsminister Rösler begeistern dürfte und den Bundeshaushalt in kürzester Zeit sanieren könnte: die verhaltensbiologische Blaupause einer Gesundheitsreform. Man stelle sich einfach kurz folgendes vor: Menschen die krank werden, würden nicht mehr durch Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Reha-Programme immense Kosten verursachen, die langfristig durch finanziellen Kollaps unser aller Gemeinwohl gefährden, sondern sich einfach still und leise verpieseln.

Eine derart konsequente Lösung fühlt sich für Sozialnostalgiker sicher an, wie eine Ameisenpinkelparty in einer offenen Wunde. Doch die Vorteile liegen auf der Hand. Nachdem Deutschland schon Bundesrepublik, Bildungsrepublik und für manche sogar schon verschuldete Bananenrepublik war, wäre es dann: ein liquider und gesunder Ameisenstaat.

Wo wir gerade bei zukunftsfähigen Lösungen sind. Es ist immer gut, wenn man als Politiker noch ein paar Asse im Ärmel hat. Nicht so gut ist es, wenn man noch eine Asse am Hintern kleben hat, wie dies bei unserem Umweltminister der Fall ist. Die Asse ist so etwas wie ein riesiger Ameisenbau, allerdings sind in den vielen unterirdischen Gängen von fleißigen Arbeitern überall Kammern mit radioaktiven Abfällen angelegt wurden. Diese beginnen gerade langsam abzusaufen – damit wir unser Grundwasser irgendwann trotzdem noch trinken können, muss der ganze Müll also wieder raus.

Im Prinzip holt dabei einfach die Müllabfuhr die gelbe Tonne ab – nur dass das Ganze in mehreren hundert Metern Tiefe und bei strahlendem Tonnenschein Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Und an dieser Stelle wird es spannend. Denn die Bundesregierung hat sich schon vor einiger Zeit vertraglich das Recht gesichert, diese Kosten allein tragen zu dürfen. Die Trauer in den Vorstandsetagen der Energiekonzerne dürfte grenzenlos gewesen sein. Da Ausgaben des Staates aber mit dem Geld des Steuerzahlers getätigt werden, braucht man zur Finanzierung des verstrahlten Salzschachtes zunächst mal eine neue Goldgrube.

Deshalb ist in nicht allzu langer Zeit sicher mit einer maßvollen Erweiterung der vor kurzem beschlossenen Brennelementesteuer zu rechnen. Um die Atomkraftbetreiber nicht über Gebühr zu belasten, sollten nach und nach einfach weitere Brennelemente mit einbezogen werden: Streichhölzer, Teelichter, Glühbirnen, Zigaretten, Grillanzünder und Feuerzeuge zum Beispiel. Angenehmer Nebeneffekt dabei: es ist in Zukunft finanziell nicht mehr so attraktiv im romantisch-rückständigen Kerzenschein in seiner Wohnung zu sitzen. Schließlich muss irgendwer ja auch den ganzen günstigen Atomstrom verbrauchen, den uns die Regierung mit ihrer Laufzeitverlängerung beschert hat.

Während die Atommeiler immer länger laufen, wird der Wehrdienst immer kürzer. Können wir vielleicht auch beim Großprojekt Bundeswehrreform von den Ameisen lernen? Es soll eine Ameisenart geben, die statt junger Männer ihre alten Staatsmitglieder in die Schlacht schickt. Karl-Theodor zu Guttenberg sollte sich das mal anschauen. Schließlich wäre bei einer Rentnerarmee das Problem der fehlenden Zivildienstleistenden gleich mit gelöst.

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3 Antworten zu Adler Sturzflug – die Politkolumne

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